Tag 25: Der letzte Wechsel – Singapur wir kommen

Wir dachten wir hätten den Wecker bereits auf eine unmenschliche Uhrzeit (4.30 Uhr) gestellt, dennoch waren wir alle drei bereits deutlich vorher wach. Es regnete, erneut. Es hätte sehr gemütlich sein können, das Geprassel auf unserem Dach, doch leider mussten wir unsere Koffer und unser Auto packen. Wir hatten, wie jedes Mal, wenn ein größerer Unterkunftswechsel anstand, tags zuvor die dreckige Kleidung gewaschen. Diese hing heute Nacht zum Trocknen auf dem Balkon. KC hatte sie zwar schon in weiser Voraussicht unter das Vordach gehangen, aber wirklich genutzt hat es bei dem Regen nichts. Auch die 174 Stufen bis zum Auto mit Koffern und Kind schaffen wir nicht wirklich trocken. Wir bleiben also unserer Tradition treu und nehmen nasse Sachen mit.

Relativ pünktlich um fünf Uhr morgens starten wir mit unserem sommerbereiften Honda City in das Wildwassergetümmel, in das sich die Straßen verwandelt haben. Zum Glück ist wenig los und der Regen hört auch bald auf. Auf dem Weg in Richtung Flughafen kommen wir durch Phuket Stadt durch. Früh morgens im Dunkeln ist es beinahe unmöglich, die spärlich vorhandenen und dann von Werbung überdeckten Straßenschilder zu entdecken. Dementsprechend verfahren wir uns zur Abwechslung. Der Rückweg auf unsere Route wird von in der Dunkelheit auf der Straßenmitte wandelnden Mönchen und der Tatsache, dass es eigentlich keine Ampeln (schon gar keine roten) mehr zu geben scheint, deutlich erschwert. Als einzige Autofahrer, die an einer roten Ampel halten, provozieren wir beinahe einen Auffahrunfall. Als wir die Insel Phuket verlassen, geht bereits die Sonne auf. Die Anstrengung fällt von uns ab und wir entspannen uns und genießen die Fahrt. Kurz vor dem Airport in Krabi fallen wir wieder auf den thailändischen Trick herein, die Hauptstraße abknicken zu lassen, aber weder die Verkehrsschilder noch die Straßenmarkierungen weisen darauf hin, sodass wir falsch abzweigen und prompt in einen Stau geraten, verursacht durch… einen Auffahrunfall. Zu diesem Zeitpunkt haben wir gerade noch eine Stunde Zeit für Check-In, Autorückgabe und Boarding. Der Stresslevel steigt wieder. 45 Minuten später sitzen wir völlig überrascht über uns selbst, fertig im Flieger. Das Auto ist anstandslos zurückgegeben, wir haben eingecheckt und das Boarding ist abgeschlossen. Unglaublich.

A prospos Check-In… in Bangkok wurden wir beim Check-In durch eine hoch moderne Anlage geschleust. Wir mussten unsere Gepäckbänder selbst an Automaten ausdrucken. Am Schalter wurde nur noch das Gepäck schnell kontrolliert und gleichzeitig gescannt. Hier in Krabi war der Schalter ein altes Holzpult, die Waage für das Gepäck ein alter, zerosteter Stahl-Peilometer mit briefmarkengroßer Stellfläche. Auf diese Weise kommen Sie unserem, durch nasse Kleidung verursachtem Übergepäck zum Glück nicht auf die Schliche.

Flug und Transfer zum Hotel klappen reibungslos. Perfekt im Zeitplan checken wir nachmittags in unser neues Hotel ein. Unser Zimmer liegt in obersten Stockwerk und ist überraschend klein, dafür aber teuer. Wir merken schnell, dass in Singapur wohl doch andere Prise herrschen als in Thailand bzw. dem Rest der Welt. Da uns nur zwei Tage Aufenthalt bleiben und das Zimmer sowieso zu klein ist, packen wir nicht groß aus,sondern ziehen direkt auf eigene Faust los. Singapur ist eine Stadt voller Überraschungen.

Überraschung Nummer eins: Busse werden nur noch mit Karte bezahlt. Sollte man doch in die Verlegenheit kommen, zum Beispiel als Tourist, gibt es einfach kein Rückgeld.

Überraschung Nummer zwei: Alles ist riesig, überdimensioniert und wirkt unecht. Hätte man sich eigentlich auch denken können, es wirkt aber ganz anders wenn man es erlebt.

Schilderwald mal anders

Überraschung Nummer drei: Hier müssen ziemlich viele Idioten leben. Warum sonst müsste man überall überflüssige Hinweise aufstellen. Adrians Lieblingsschild lautet: „Pedastrians: use the crossing“ das beinahe alle 200 m am Straßenrand steht. Auch wird davor gewarnt, sich den Kopf nicht von der Parkplatzschranke einschlagen zu lassen, ein ohnehin wie Fort Knox gesichertes Gelände zu betreten, weil man sonst erschossen wird, etc. In der U-Bahnstation ereilt KC der Hunger und sie beißt in ein kleines Sandwich. Plötzlich schiebt sie es unauffällig wieder in die Wickeltasche, die Leute in der Station gucken komisch. Da sehen wir es: Essen und trinken in der Station kostet 500 Dollar, Rauchen 1000,- und das transportieren von flammbaren Materialien 5000,- und auf den Transport der Durianfrucht gleich Todesstrafe. Zudem wird man an jeder Ecke und auch über den Lautsprecher dazu aufgefordert, sich gegenseitig zu verpetzen und die 995 anzurufen. Ein Paradies für den in Deutschland weit verbreiteten „Meckerrentner“. Die Bahn selbst ist so konzipiert, dass sie ohne Fahrer fährt, die Türen befinden sich an den zum  Einsteigen vorgesehenen Einlasungen in der Glasfront, die den Bahnsteig von den Gleisen trennt. Selbstmord ist hier also auch verboten. Sich den Hintern abzufrieren, dagegen nicht. Wir vermuten, nachdem wir nun mehrfach von draußen bei 35 Grad nach drinnen in gefühlte -10 Grad wechseln, eine Arzneimittelmafia, die ein Monopol von Erkältungsprodukten vertreibt.

Zusammengefasst: Das eigentliche Singapur wirkt auf uns total clean, unterkühlt und reglementiert. Gelacht wird auch wenig. Vielleicht in der Öffentlichkeit verboten? Wir wollen etwas Echtes sehen und Atmosphäre erleben und besuchen Chinatown. Dort irren wir zunächst ein wenig durch die Straßen. Es erstaunt uns immer noch wie krass die Preise für die alltäglichsten Dinge sind. Aber es tut ganz gut das Gewimmel und durcheinander von Chinatown zu erleben. Das ist ein erfrischender Kontrast zu dem sonst so cleanen Singapur. Auf unserem Weg kommen wir auch an einem Buddhatempel mit einer Zahnrelique von Buddha vorbei. Natürlich lassen wir uns diese Sehenswürdigkeit nicht entgehen.

Die ohnehin schon beeindruckende Skyline von Singapur verströmt nachts einen ganz eigenen Charme.

Auf der abendlichen Suche nach einem bezahlbaren Abendessen landen wir am Ende bei einer Gruppe von Streetkitchen die sich im Schatten der Oper in einem der besseren Viertel von Singapur befinden. So ganz sind wir wohl noch nicht über Thailand hinweg 😉 Wir genießen das Essen direkt an der Bucht und spazieren danach gemütlich zum Bus und in das kleine Hotelzimmer.

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